"Alle, die mich auf mein Äußeres reduzieren, brauche ich nicht in meinem Leben."

 

Chantal

ist 18 Jahre alt und studiert

 

 

 

Was ist Schönheit für dich?

Ich habe keinen bestimmten Begriff von Schönheit. Ich mache Schönheit nicht an äußerlichen Sachen fest, aber auch nicht an innerlichen. Für mich ist es eher die Ausstrahlung, die eine Person schön macht. Wenn ich eine Person vor mir habe, die hübsch und attraktiv ist, aber eine negative Ausstrahlung hat, dann macht es die Person hässlich. Ich kann Schönheit nicht auf bestimmte Punkte beschränken. Schönheit ist für mich ein Gefühl.

 

 

Was findet du denn an dir schön?

Ich habe drei Sachen, die ich an mir schön finde...meine Wimpern, meine Piercings und meine Tattoos. Ich habe einen Traumfänger tätowiert. Ich habe mir den stechen lassen, um die Trennung meiner Eltern zu verarbeiten. Ich war 9 Jahre alt und hatte sehr damit zu kämpfen, meine Eltern schenkten mir beide einen Traumfänger und wenn ich abends im Bett lag bei meinem Vater oder meiner Mutter und geweint habe, haben sie in den Traumfänger gepustet. Deshalb habe ich mir einen stechen lassen.

 

 

Was findest du an dir nicht so schön?

Das ist keine leichte Frage. Ich mag meine Haut nicht, weil ich im Gesicht irgendwas habe, was nicht weggeht. Es ist rot und tut weh. Deshalb gehe ich nie ungeschminkt aus dem Haus. Deshalb mag ich meine Haut nicht. Und ich mag meine Brüste nicht. Die sind mir einfach zu groß.

 

 

Hast du schon mal eine Diät gemacht? Warum? Wie alt warst du?

Ja, zu viele. Anfangs war es nur weniger essen, dann war es nur gesundes Essen. Dann gab es eine Phase, in der ich fast gar nichts mehr gegessen habe. Dann habe ich diese Shakes ausprobiert und fand sie widerlich. Danach habe ich zusammen mit meinem Vater eine Diät gemacht, bei der aufgrund des Blutbildes ein Ernährungsplan erstellt wird. Das hat aber auch nichts gebracht. Ich war noch ziemlich jung, als wir diese Diäten gemacht haben. 13 Jahre alt.

 

In der Grundschule habe ich begonnen über mein Äußeres Gedanken zu machen<, weil ich wegen meines Aussehens über mehrere Jahre gemobbt wurde. Ich hatte Angst in die Schule zu gehen.

 

Mittlerer Weile bin ich an dem Punkt angekommen, wo ich mich so akzeptiere, wie ich bin. Wenn ich nicht mehr so viel Stress habe wie im Moment, werde ich abnehmen. Aber nur so weit, wie ich mich gut fühle. Ich will keinen Druck mehr von überall. Ich möchte, dass es mir und meinem Körper gut geht und habe keine Lust auf körperliche Schäden. Deswegen werde ich etwas abnehmen, wenn ich mich bereit dazu fühle. Ich möchte den Druck nicht mehr von außen. Ich akzeptiere mich, so wie ich bin. Und deshalb akzeptieren mich auch andere. Alle, die mich nur auf mein Äußeres beschränken, brauche ich nicht in meinem Leben.

 

 

Was haltet ihr von Fernsehformaten wie GNTM?

Man glaubt das jetzt vielleicht nicht, aber ich habe von 12 Staffeln nicht eine Folge verpasst. Als ich noch kleiner war, wollte ich immer so sein wie all die schönen Mädchen. Ich habe mir Mamas Schuhe angezogen und bin nach Musik damit durch die Wohnung gelaufen. Ich fand es einfach toll.

 

Jetzt finde ich es einfach unterhaltsam. Model ist ein Beruf und wenn die Mädchen Lust haben zu hungern, sollen sie es doch tun. Das ist mir egal.

 

Mir ist bewusst, dass ich in der Grundschule gemobbt wurde, weil ich nicht dem Ideal entsprochen habe, dass mir und anderen in dieser Sendung gezeigt wird. Aber ich kann das ja auch nicht ändern. Dieses Ideal gibt es. Heute denke ich, dass ich niemanden brauche, der mich wegen meines Aussehens mobbt.

 

Was ich an Heide Klum nicht mag ist ihre Sicht auf die Mädchen. Sie sollen sportlich sein und dünn sein und gesund essen. Ich mag nicht, wie sie die Mädchen formen will. Aber ich finde es absolut in Ordnung, wenn Frauen von selbst an sich arbeiten wollen. Was ich aber erschreckend finde ist, dass selbst die Mädchen dort, die groß und schlank und wunderschön sind, das oft gar nicht wahrnehmen und immer noch unzufrieden sind. Auch Models sind normale Menschen, die im ständigen Kampf mit sich selber sind.

 

 

 „Alle 15 Minuten denkt eine Frau über ihren Körper nach. Es ist wie eine Eintrittskarte in unsere moderne Welt, sich um seinen Körper zu sorgen und ihn so zu konstruieren, dass er einen bestimmten Look hat.“ (engl. Psychologin S. Orbach)

Nein, das ist bei mir nicht der Fall. Dafür habe ich viel zu viele andere Dinge zu tun. Ich denke schon manchmal über Essen, Klamotten oder Make up nach, aber sicher nicht so oft.

 

 

Hast du ein weibliches Vorbild?

Ja! Meine Mutter! Sie ist schönste und stärkste und intelligenteste Frau, die ich kenne. Sie hat mich großgezogen. Und sie hat alles allein geschafft. Mein Vater war nach der Trennung zwar nicht ganz weg. Aber sie war einfach ab einem gewissen Zeitpunkt alleinerziehend. Das, was sie geschafft hat, inspiriert mich wirklich sehr. Ich liebe sie über alles.