Der Zaubertrank

(ein feministisches Märchen)

Autorin: Irma, 9 Jahre alt

 

Es war einmal vor langer Zeit, da lebte in einem Dorf, das an einen Wald grenzte, ein Mädchen. Es war sehr, sehr fleißig und half seiner Mutter, wo es nur ging. Doch eine Schwäche hat es: Sie war in den Prinzen verliebt.

 

An jenem Morgen ging sie in den Wald. Er war rabenschwarz und die Bäume waren himmelhoch. Ihr lief es kalt über den Rücken. Sie rief mit zaghafter Stimme: „Hallo?!“ Keiner antwortete ihr. Sie ging durch den Wald, weil die Pilze ganz hinten standen. Am Waldrand lag ein verletztes Kaninchen. Das Mädchen half dem Kaninchen und auf einmal verwandelte es sich in einen Zauberer. Er hatte einen langen weißen Bart und die Haut war schrumpelig. „Danke“, sagte der Zauberer. „Dafür will ich dir drei Wünsche erfüllen.“ „Oh, mein lieber Zauberer, ich habe schon einen Wunsch.“ „Welchen denn?“, fragte der Zauberer. „Ich will, dass der Prinz mich liebt.“ „Ja, das kann ich machen. Komm einfach mit in mein Haus. Ich mache dir einen Zaubertrank.“

 

Im Haus angekommen sagte der Zauberer: „Hol mir drei Fliegenpilze und sieben Lilienblätter.“ Als sie alles geholt hatte, zerrieb der Zauberer alles und nuschelte: „Lulalielauf! Das trinkst du jetzt und sage drei mal Prinz.“

 

Am nächsten Tag ging sie ins Schloss zum Prinzen. Er verliebte sich aber nicht in sie. Dieses Spiel versuchte sie noch drei Tage. Am vierten Tag nahm sie den Trank nicht und ging einfach so zum Prinzen und er verliebte sich sofort in sie. Am Tag danach ging sie zum Zauberer und fragte ihn, warum der Zauber nicht funktioniert hatte. Er sagte: „Weil du lernen solltest, dass du auch so schön bist.“ Da freute sich das Mädchen und sie und der Prinz heirateten. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

 

 

 

 

 

 

DAS IS DIE UNGESCHMINKTE WAHRHEIT, OMA

(oder wie ich an Weihnachten heulend Skype ausgemacht hab)

ein Gastbeitrag der Facebook - Userin und Bloggerin Audrey Louisa

www.facebook.com/lifeinleggings

Hello Ihr Lieben,

Meine Oma hat mir doch tatsächlich nach einer Stunde Skypen Weihnachten mit der ganzen Familie (ich leb in Kanada) ins Gesicht gesagt, dass ich "so elend aussehe".
Ich war so traurig und sauer gleichzeitig, weil ich aktiv dabei bin anderen Frauen zu helfen diese ganze gesellschaftliche Besessenheit mit Aussehen hinter sich zu lassen... Und zack, da hat's mich selber voll getroffen. Ich hab dann ne lange Email geschrieben und alle meine Gedanken darin zusammengefasst.

Die wollte ich mit Euch teilen, weil ich glaube,  viele von uns haben täglich mit diesen Problemen zu kämpfen!

 

Liebe Oma,

ich wollte Dir gerne noch mal schreiben um zu erklären, warum ich neulich so enttäuscht und wütend war beim Telefonieren.

Als Mädchen und als Frau geht man durch's ganze Leben und wird ständig von allem und jedem nach seinem Aussehen beurteilt - in der Schule, beim Sport, in Magazinen, beim Ausgehen, bei der Partnersuche usw. Du kennst das Gefühl sicher auch - ich glaube Frauen teilen diese Erfahrung durchweg, auch wenn wir alle davon abgesehen sehr unterschiedlich sind. Die Gesellschaft erwartet von einem ständig, dass man an sich herumzupft, weniger isst, mehr Sport macht, keine Haare hat, einen flachen Bauch, ein hübsches Gesicht, nett angezogen ist. Ich habe mein ganzes Leben damit gekämpft und bin mit 33 Jahren endlich so weit zu sagen: Schluss damit! Ich möchte Frauen darin bestärken weniger Makeup zu tragen, mehr Wert auf Wohlfühlen zu legen als sich für sein Erscheinungsbild zu quälen, zB. durch zu enge Klamotten, unbequeme Schuhe usw. Diese Entscheidung ist schon vor längerer Zeit gefallen und es ist mein Ziel im Leben für mehr Freiheit für Frauen zu kämpfen und mich stark zu machen dafür. Soviel zu meiner persönlichen Entwicklung... deshalb habe ich vielleicht so extrem auf Deinen Kommentar reagiert.

Schon früher hast Du Kommentare zu mir gemacht. Entweder war ich "ein ganz schoener Brummer" als ich überhaupt nicht dick war als junges Mädchen, oder jetzt sehe ich "elend aus". Das sind alles Kommentare, die verletztend sind und aus meiner Sicht keinem helfen. Dir nicht und mir auch nicht. Sie machen mich traurig, weil ich mich frage, warum ich nicht "gut genug" aussehe oder warum mein Aussehen im Mittelpunkt stehen muss, wobei ich doch gerade so viele andere gute Sachen mit meinem Leben mache, anderen Frauen helfen, gute Arbeit leiste, eine Vision aufbaue usw. und neben denen mein Aussehen so unwichtig erscheint.

Ich bin äusserst zufrieden mit meinem Aussehen, ich kann mich über nichts, aber auch gar nichts beschweren - ich habe eine top Figur, ein hübsches Gesicht, ich drücke mich mit Hilfe meiner Kleidung aus, um etwas anders zu sein und finde mich rundum grossartig. Gerade deshalb finde ich es eine Frechheit mir von Dir anhören zu müssen, dass ich wie ein "Elend" aussehe.

Ich schere mich weniger darum, mich für die Menschen um mich herum hübsch zu machen, und gehe davon aus, dass andere mich für meinen Charakter und meine Arbeit schätzen, und deshalb trifft mich der Kommentar um so mehr. Ich fühle mich wohl in meiner Haut und bin ungeschminkt, morgens mit ungemachten Haaren vor meiner Videokamera, weil ich daran glaube, dass meine Familie mich lieb hat, egal wie ich aussehe. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und auch im meinem Leben ist soviel passiert, dass ich gar keine Zeit habe, mir allzu viele Gedanken um mein Aussehen zu machen.

Oma, ich weiss dass Du Dir gar nicht viel dazu gedacht hast. Ich habe Dir längst verziehen und ich verstehe auch, dass Du aus einer ganz anderen Generation kommst, die ganz andere Erfahrungen gemacht hat. Ich hatte viel weniger Herausforderungen zu meistern als ihr damals im Krieg und ich respektiere, wenn Du nicht alle meine Ansichten teilst, weil Deine Lebensgeschichte eine andere ist.

Aber hier ist meine Bitte:
Bitte behalte Deine Beurteilung über mein Aussehen für Dich - sie helfen mir nicht und ich möchte sie nicht hören. Wenn Du Dich um mich sorgst, dann bitte ich Dich Deine Sätze mit "Audrey, ich mache mir Sorgen um Dich, weil" zu beginnen und sie werden immer auf offene Ohren bei mir stossen.
Ich wünsche mir auch, dass Du darüber hinaus auch vorsichtig mit Kommentare zu zB xxxx {meine kleine Kusine die 7 Jahre alt ist}'s Aussehen sparst, weil es so viele wichtigere Dinge gibt, die junge Mädchen lernen müssen, dass sie stark sind, dass sie selbstbewusst sein dürfen, dass Essen zum Leben dazu gehört, aber auch nicht im Mittelpunkt stehen muss, dass sie träumen dürfen von einer Karriere als Balletttänzerin und als Feuerwehrfrau..... Wir alle haben Verantwortung jungen Mädchen zu zeigen, dass sie soviel mehr sind als Ihr Aussehen! Wenn man Menschen in seiner Familie schätzt, dann sind solche (auch vielleicht nett gemeinte) Kommentare manchmal doch recht schmerzhaft...

Danke Oma für's Lesen - ich weiss ja eigentlich, dass Du mich immer lieb hast, egal wie ich aussehe.

Ich hoffe deshalb mein Brief hat Dir geholfen besser zu verstehen, warum ich so reagiert habe.
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Und an Euch alle da draussen: ich möchte Euch alle motivieren, ungeschminkt und trotz 'bad hair day' Euren Leidenschaften nachzugehen! Und das voellig schamlos und ohne sich auch nur im geringsten dafür bei irgendwem zu entschuldigen! 👊💜